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Und hatt einen großen Stern.
Da wurden seine Geschwister
Bei Hof auch große Herrn.
     2230

Und Herrn und Fraun am Hofe,
Die waren sehr geplagt,
Die Königin und die Zofe
Gestochen und genagt,
Und durften sie nicht knicken,
     2235
Und weg sie jucken nicht.
Wir knicken und ersticken
Doch gleich, wenn einer sticht.
CHORUS (jauchzend). Wir knicken und ersticken
Doch gleich, wenn einer sticht.
     2240
FROSCH. Bravo! Bravo! Das war schön!
SIEBEL. So soll es jedem Floh ergehn!
BRANDER, Spitzt die Finger und packt sie fein!
ALTMAYER. Es lebe die Freiheit! Es lebe der Wein!
MEPHISTOPHELES.
Ich tränke gern ein Glas, die Freiheit hoch zu ehren,
     2245

Wenn eure Weine nur ein bißchen besser wären.
SIEBEL. Wir mögen das nicht wieder hören!
MEPHISTOPHELES.
Ich fürchte nur, der Wirt beschweret sich;
Sonst gäb ich diesen werten Gästen
Aus unserm Keller was zum besten.
     2250
SIEBEL. Nur immer her! ich nehm’s auf mich.
FROSCH.
Schafft Ihr ein gutes Glas, so wollen wir Euch loben.
Nur gebt nicht gar zu kleine Proben;
Denn wenn ich judizieren soll,
Verlang ich auch das Maul recht voll.
     2255
ALTMAYER (leise). Sie sind vom Rheine, wie ich spüre.
MEPHISTOPHELES.
Schafft einen Bohrer an!
BRANDER. Was soll mit dem geschehn?
Ihr habt doch nicht die Fässer vor der Türe?
ALTMAYER.
Dahinten hat der Wirt ein Körbchen Werkzeug stehn.
MEPHISTOPHELES (nimmt den Bohrer. Zu Frosch).
Nun sagt, was wünschet Ihr zu schmecken?
     2260

FROSCH. Wie meint Ihr das? Habt Ihr so mancherlei?
MEPHISTOPHELES. Ich stell es einem jeden frei.
ALTMAYER (zu Frosch).
Aha! du fängst schon an, die Lippen abzulecken.
FROSCH.
Gut! wenn ich wählen soll, so will ich Rheinwein haben.
Das Vaterland verleiht die allerbesten Gaben.
     2265
MEPHISTOPHELES (indem er an dem Platz, wo Frosch sitzt,
ein Loch in den Tischrand bohrt).
Verschafft ein wenig Wachs, die Pfropfen gleich zu machen!
ALTMAYER. Ach, das sind Taschenspielersachen.
MEPHISTOPHELES (zu Brander).
Und Ihr?
BRANDER. Ich will Champagner Wein,
Und recht moussierend soll er sein!
(Mephistopheles bohrt; einer hat indessen die Wachspfropfen
gemacht und verstopft.)
Man kann nicht stets das Fremde meiden,
     2270
Das Gute liegt uns oft so fern.
Ein echter deutscher Mann mag keinen Franzen leiden,

Doch ihre Weine trinkt er gern.
SIEBEL (indem sich Mephistopheles seinem Platze nähert).
Ich muß gestehn, den sauern mag ich nicht,
Gebt mir ein Glas vom echten süßen!
     2275
MEPHISTOPHELES (bohrt). Euch soll sogleich Tokayer fließen.
ALTMAYER. Nein, Herren, seht mir ins Gesicht!
Ich seh es ein, ihr habt uns nur zum besten.
MEPHISTOPHELES. Ei! Ei! Mit solchen edlen Gästen
Wär es ein bißchen viel gewagt.
     2280
Geschwind! Nur grad heraus gesagt!
Mit welchem Weine kann ich dienen?
ALTMAYER. Mit jedem! Nur nicht lang gefragt.
(Nachdem die Löcher alle gebohrt und verstopft sind.)
MEPHISTOPHELES (mit seltsamen Gebärden).
Trauben trägt der Weinstock!
Hörner der Ziegenbock;
     2285
Der Wein ist saftig, Holz die Reben,
Der hölzerne Tisch kann Wein auch geben.
Ein tiefer Blick in die Natur!
Hier ist ein Wunder, glaubet nur!
Nun zieht die Pfropfen und genießt!
     2290

ALLE (indem sie die Pfropfen ziehen und jedem der verlangte
Wein ins Glas läuft).
O schöner Brunnen, der uns fließt!
MEPHISTOPHELES.
Nur hütet euch, daß ihr mir nichts vergießt!
(Sie trinken wiederholt.)
ALLE (singen). Uns ist ganz kannibalisch wohl,
Als wie fünfhundert Säuen!
MEPHISTOPHELES.
Das Volk ist frei, seht an, wie wohl’s ihm geht!
     2295
FAUST. Ich hätte Lust, nun abzufahren.
MEPHISTOPHELES.
Gib nur erst acht, die Bestialität
Wird sich gar herrlich offenbaren.
SIEBEL (trinkt unvorsichtig, der Wein fließt auf die Erde und
wird zur Flamme).
Helft! Feuer! helft! Die Hölle brennt!
MEPHISTOPHELES (die Flamme besprechend).
Sei ruhig, freundlich Element! (Zu den Gesellen.)
     2300
Für diesmal war es nur ein Tropfen Fegefeuer.
SIEBEL. Was soll das sein? Wart! Ihr bezahlt es teuer!

Es scheinet, daß Ihr uns nicht kennt.
FROSCH. Laß Er uns das zum zweiten Male bleiben!
ALTMAYER,
Ich dächt, wir hießen ihn ganz sachte seitwärts gehn.
     2305
SIEBEL. Was, Herr? Er will sich unterstehn,
Und hier sein Hokuspokus treiben?
MEPHISTOPHELES. Still, altes Weinfaß!
SIEBEL. Besenstiel!
Du willst uns gar noch grob begegnen?
BRANDER. Wart nur, es sollen Schläge regnen!
     2310
ALTMAYER (zieht einen Pfropf aus dem Tisch, es springt
ihm Feuer entgegen). Ich brenne! ich brenne!
SIEBEL. Zauberei!
Stoßt zu! der Kerl ist vogelfrei!
(Sie ziehen die Messer und gehn auf Mephistopheles los.)
MEPHISTOPHELES (mit ernstbafter Gebärde).
Falsch Gebild und Wort
Verändern Sinn und Ort!
Seid hier und dort!
     2315
(Sie stehn erstaunt und sehn einander an.)

ALTMAYER. Wo bin ich? Welches schöne Land!
FROSCH. Weinberge! Seh ich recht?
SIEBEL. Und Trauben gleich zur Hand!
BRANDER. Hier unter diesem grünen Laube,
Seht, welch ein Stock! Seht, welche Traube!
(Er faßt Siebeln bei der Nase. Die andern tun es wechselseitig
und heben die Messer.)
MEPHISTOPHELES (wie oben).
Irrtum, laß los der Augen Band!
     2320
Und merkt euch, wie der Teufel spaße.
(Er verschwindet mit Faust, die Gesellen fahren auseinander.)
SIEBEL. Was gibt s?
ALTMAYER. Wie?
FROSCH. War das deine Nase?
BRANDER (zu Siebel). Und deine hab ich in der Hand!
ALTMAYER. Es war ein Schlag, der ging durch alle Glieder!
Schafft einen Stuhl, ich sinke nieder!
     2325
FROSCH. Nein, sagt mir nur, was ist geschehn?
SIEBEL. Wo ist der Kerl? Wenn ich ihn spüre,

Er soll mir nicht lebendig gehn!
ALTMAYER. Ich hab ihn selbst hinaus zur Kellertüre -
Auf einem Fasse reiten sehn - -
     2330
Es liegt mir bleischwer in den Füßen.
(Sich nach dem Tische wendend.)
Mein! Sollte wohl der Wein noch fließen?
SIEBEL. Betrug war alles, Lug und Schein.
FROSCH. Mir deuchte doch, als tränk ich Wein.
BRANDER. Aber wie war es mit den Trauben?
     2335
ALTMAYER.
Nun sag mir eins, man soll kein Wunder glauben!


Hexenküche

Auf einem niedrigen Herde steht ein großer Kessel über dem Feuer. In
dem Dampfe, der davon in die Höhe steigt, zeigen sich verschiedene
Gestalten. Eine MEERKATZE sitzt bei dem Kessel und schäumt ihn und
sorgt, daß er nicht überläuft. Der MEERKATER mit den Jungen sitzt
darneben und wärmt sich. Wände und Decke sind mit dem seltsamsten
Hexenhausrat ausgeschmückt.

FAUST. MEPHISTOPHELES.

FAUST. Mir widersteht das tolle Zauberwesen!
Versprichst du mir, ich soll genesen
In diesem Wust von Raserei?
Verlang ich Rat von einem alten Weibe?
     2340
Und schafft die Sudelköcherei
Wohl dreißig Jahre mir vom Leibe?
Weh mir, wenn du nichts Bessers weißt!
Schon ist die Hoffnung mir verschwunden.
Hat die Natur und hat ein edler Geist
     2345
Nicht irgendeinen Balsam ausgefunden?
MEPHISTOPHELES.
Mein Freund, nun sprichst du wieder klug!
Dich zu verjüngen, gibt’s auch ein natürlich Mittel;
Allein es steht in einem andern Buch,
Und ist ein wunderlich Kapitel.
     2350
FAUST. Ich will es wissen.
MEPHISTOPHELES. Gut! Ein Mittel, ohne Geld
Und Arzt und Zauberei zu haben:

Begib dich gleich hinaus aufs Feld,
Fang an zu hacken und zu graben,
Erhalte dich und deinen Sinn
     2355
In einem ganz beschränkten Kreise,
Ernähre dich mit ungemischter Speise,
Leb mit dem Vieh als Vieh, und acht es nicht für Raub,
Den Acker, den du erntest, selbst zu düngen;
Das ist das beste Mittel, glaub,
     2360
Auf achtzig Jahr dich zu verjüngen!
FAUST.
Das bin ich nicht gewöhnt, ich kann mich nicht bequemen,
Den Spaten in die Hand zu nehmen.
Das enge Leben steht mir gar nicht an.
MEPHISTOPHELES. So muß denn doch die Hexe dran.
     2365
FAUST. Warum denn just das alte Weib!
Kannst du den Trank nicht selber brauen?
MEPHISTOPHELES. Das wär ein schöner Zeitvertreib!
Ich wollt indes wohl tausend Brücken bauen.
Nicht Kunst und Wissenschaft allein,
     2370
Geduld will bei dem Werke sein.
Ein stiller Geist ist jahrelang geschäftig,

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